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O2 -Diffusion in Rekultivierungsböden

Uwe Hoepfner

Mitteillungen Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft, 2007, Vol. 110, 355–356pdf (130 kb)

Poster Jahrestagung Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft, Dresden 2007. pdf (1,3 MB)



Problemstellung  

Zur Sanierung der Wismut-Altlasten werden mineralische Oberflächenabdeckungen auf Standorten mit Bergemassen und Schlämmen der Uranerzaufbereitung aufgebracht. Ziel ist sowohl die Reduzierung der Zusickerung von Niederschlagswasser, als auch den Gasaustausch mit der Atmosphäre zu vermindern. Neben der Radonexhalation aus den radioaktiven Altlasten ist dabei die Sauerstoffdiffusion durch die Abdeckungen von Bedeutung, da durch den atmosphärischen Sauerstoff die Pyritoxidation und damit die Bildung saurer Sickerwässer im abgedeckten Substrat gesteuert wird (Abb. 1). 

Tagebau Lichtenberg - Acid mine drainage
In der internationalen Praxis der Sanierung von Bergbau-Altlasten werden hierzu vor allem Zweischichtabdeckungen verwendet, mit einer hoch verdichteten tonigen Dichtungsschicht, welche die Gasdiffusion effektiv behindert. Zur Abdeckung des ehemaligen Tagebaus Lichtenberg im Ronneburger Revier wurden neben solchen Zweischichtsystemen auch einfache Einschichtabdeckungen untersucht, die den relativ niedrigen hydraulischen Anforderungen (Sickerraten 10–20 % des Niederschlags) genügen. Ob auch die Sauerstoffdiffusion durch solche geringmächtige Abdeckungen ohne Dichtungsschicht ausreichend behindert wird, war Untersuchungsziel einer mehrjährigen Meßkampagne.


Methodik
 

Auf einem verfüllten Bereich des ehemaligen Tagebaus Lichtenberg wurden im Jahr 2000 drei 50 x 60 m große Versuchsabdeckungen errichtet (Zweischichtabdeckung: 1,5 m Rekultivierungsschicht, 0,4 m Dichtungsschicht; zwei Einschichtabdeckungen: 1 und 1,6 m mächtig) sowie auf einer Fläche das Haldenmaterial unabgedeckt belassen. Die Bodenhydrologie (Wassergehalt, Tension) und die Abflüsse wurden in den Abdecksubstraten und im Haldenmaterial kontinuierlich aufgezeichnet. Wöchentlich wurden Sauerstoffkonzentrationen in der Bodenluft an der Ober- und Unterkante der Abdeckung sowie im Haldenmaterial gemessen. Hierzu wurde Bodenluft aus fest installierten Lanzen an die Oberfläche gezogen und die Konzentration mittels eines mobilen Abgas-Analysegeräts (TESTO) bestimmt (Abb. 2). Auf Grundlage der gemessenen Feuchteverhältnisse wurden die Gasdiffusionskoeffizienten (u.a. nach ELBERLING berechnet. Der Sauerstofffluß in das Haldenmaterial wurde mittels eines stationären Ansatzes auf Basis der effektiven Diffusionskonstanten der Abdeckung berechnet. 

Sauerstoffmessung im Boden - Luftlanzen


Ergebnisse

Die Feldversuche bestätigen die bekannte Wirkungsweise einer Gasdiffusionsbarriere: Die tonige Dichtungsschicht der Zweischichtabdeckung war über den gesamten Untersuchungszeitraum ausreichend feucht, um niedrige Diffusionskonstanten zu gewährleisten. Sauerstoffgehalte unter dieser Schicht waren in der Bodenluft dauerhaft nicht nachweisbar. Der trockene Sommer 2003, welcher zu einer Austrocknung der Abdeckung bis in den Winter 2003/2004 führte, hat den Sauerstofffluß nur geringfügig erhöht, da die Sättigung der Dichtungsschicht auch für diese Zeit bei ca. 0,9 lag. Die effektiven Gasdiffusionskonstanten der gesamten Abdeckung lagen für diesen Zeitraum bei maximal 3,5 x 10-9 m2 s-1.

Für die geringmächtige Abdeckung zeigt das bodenhydrologische Monitoring eine tiefreichende Austrocknung bis in das Haldenmaterial in den Sommermonaten. Die Diffusionskonstanten im Haldenmaterial unter der Abdeckung erreichen hohe Werte von > 1 x 10-9 m2 s-1 in den Sommermonaten – die Diffusionskoeffizienten unter der Zweischichtabdeckung an der Haldenoberkante liegen dagegen um den Faktor 100 niedriger.

Während nasser Witterungsphasen im Winterhalbjahr sind die Einschichtabdeckungen hingegen durch große Staunässe geprägt. Zu diesen Zeiten ist die Gasdiffusion in das Haldenmaterial wirksam behindert, mit effektiven Diffusionskonstanten der gesamten Abdeckung <  10-9 m2 s-1.

Insgesamt resultieren daraus für die Einschichtabdeckungen sehr stark jahreszeitlich schwankende Diffusionsverhältnisse. Die mittleren effektiven Diffusionskoeffizienten in beiden Einschichtsystemen liegen bei 2 x 10-10 m2 s-1 im Untersuchungszeitraum und damit etwa bei den Werten der Zweischichtabdeckung (jeweils Oberkante Haldenmaterial); die maximalen Werte an der Unterkante der jeweiligen Abdeckung jedoch bei Werten von 4–8 x 10-7 m2 s-1, und damit um den Faktor 100 über dem entsprechenden Wert der Zweischichtabdeckung. In jeweils 3 m Tiefe, an der Oberkante des Haldenmaterials, liegen die maximalen effektiven Diffusionskoeffizienten noch um den Faktor 4–8 über den Werten der Zweischichtabdeckung. Die gemessenen Sauerstoffkonzentrationen zeigen für diese Zeiträume Konzentrationen > 200 g m-3 im abgedeckten Haldenmaterial (Abb. 3). 

Sauerstoff und Feuchte im Boden
Der kumulative Sauerstoffeintrag der beiden Einschichtabdeckungen schwankt deshalb sehr stark, mit hohen Einträgen in den trockenen Zeiträumen, jedoch sehr niedrigen Raten in Zeiten mit Stauwasserbildung (Abb. 4). Sauerstoff und Feuchte im Boden

Die Ergebnisse zeigen, daß für die Zielstellung „Reduzierung der Gasdiffusion“ einfache und geringmächtige Einschichtabdeckungen den Zweischichtsystemen in Zeiträumen großer Trockenheit deutlich unterlegen sind. Eine weitere Abnahme ihrer Wirksamkeit ist durch die beginnende Gefügebildung im Oberboden sowie die zunehmende Verdunstungsleistung der aufwachsenden Vegetation zu erwarten, inbesondere bei Gehölzbestockung. Die weitere Entwicklung der Wirksamkeit dieser Abdeckungen wird im Rahmen des Langzeitmonitorings untersucht und zu bewerten sein.



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