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Die Bergbaufolgelandschaft bei Ronneburg

Uwe Hoepfner & Michael Paul

In: Liedtke, H., Mäusbacher, R. & Schmidt, K.-H. (Hrsg.): Relief, Boden und Wasser

Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland, Institut für Länderkunde, Leipzig. S. 52–53. 



Einleitung   
Im sächsischen Erzgebirge, einer Region mit lang zurückreichender Bergbautradition, begann 1946 der Abbau von Uranerzen durch die WISMUT. Uranerz, früher als „Pechblende“ bezeichnet, wurde zum strategisch wichtigen Rohstoff für die militärische Nutzung sowie für die Kernenergiegewinnung. Das anfangs sowjetische, ab 1954 sowjetisch-deutsche Unternehmen entwickelte sich in über 40 Jahren zum weltweit drittgrößten Uranproduzenten (nach den USA und Kanada) mit einer Gesamtproduktion von 220.000 Tonnen Uran bis 1990. Große Lagerstätten wurden im mittleren Erzgebirge, bei Ronneburg in Ostthüringen sowie Königstein in Sachsen  abgebaut (Abb. 2). Daneben existierte eine Vielzahl von Gewinnungs- und Aufbereitungsbetrieben mit kleineren Uranvorkommen im Erzgebirge, Vogtland und weiteren Gebieten. Die Uranförderung wurde 1990 nach der politischen Wende in der DDR aus wirtschaftlichen Gründen beendet und das Unternehmen in deutschen Bundesbesitz überführt.

Seit 1991 werden die Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaues saniert. Schwerpunkte der Sanierung sind dabei

Das Ronneburger Revier

Das Ronneburger Revier mit ehemals 6 Bergbaubetrieben und einer direkt vom Bergbau betroffenen Gesamtfläche von 1600 ha ist einer der Sanierungsschwerpunkte der WISMUT. Ein 160 ha großes Tagebaurestloch, Haldenflächen von 460 ha und ein Bergematerialvolumen von 200 Mio. m3 sowie Betriebsflächen von ca. 1000 ha zeigen den Umfang der vom Bergbau berührten Landschaft. Untertage erstreckten sich die Grubenbaue auf einer Länge von ca. 3000 km, in einem  ca. 70 km2 großen Gebiet ist durch die bergmännische Wasserhaltung der natürliche Grundwasserspiegel künstlich abgesenkt. Die Halden und auch der Tagebau Lichtenberg liegen in unmittelbarer Nähe zur Stadt Ronneburg sowie zu umliegenden Dörfern wie Rußdorf und Reust. Bei Errichtung der Bergbaubetriebe wurden Ortschaften wie Schmirchau, Lichtenberg und Gessen umgesiedelt und die Ortsnamen für die Produktionsbetriebe übernommen.

Der Uranerzbergbau war verbunden mit einer Erhöhung der Strahlenbelastung der Beschäftigten und ortsansässigen Bevölkerung sowie weit reichenden Eingriffen in die Ökosysteme des Bergbaureviers. Die Aufhaldung von Bergemassen mit einem mittleren Urangehalt von 40 ppm und einem mittleren 226 Ra-Gehalt von 0,5 Bq/g und der damit verbundenen Emission von Radionukliden der Uran-Zerfallsreihe führt zu erhöhten Werten der Gamma-Strahlung sowie verstärkter Konzentration von Radon und Radonfolgeprodukten in der bodennahen Atmosphäre. Die Verwehung von Staub der offen liegenden Halden sowie der Austrag von Haldensickerwasser führt zur Verlagerung von Radionukliden in die direkte Umgebung der Bergbaustandorte. Die durch Pyritoxidation hervorgerufene Bildung von stark sauren Sickerwässern (Acid Mine Drainage) und der damit verbundenen Lösung des Schadstoffinventars (Radionuklide, Schwermetalle, Salze) im Bergematerial ist eine typische Belastung der durch Bergbau beeinflussten Ökosysteme.

Die Umweltmedien Wasser, Boden und Luft wurden nach Abschluss des aktiven Bergbaues systematisch in Umweltkatastern erfasst und bewertet. Auf dieser Grundlage wurden die Sanierungskonzepte zur Umgestaltung der Region in eine Bergbaufolgelandschaft entwickelt.


Die Bergbaufolgelandschaft

Das sichtbare Kennzeichen der neu entstehenden, dem Bergbau folgenden Landschaft ist die Schaffung einer neuen Geländemorphologie im Bereich des Tagebaues Lichtenberg auf einer Fläche von 220 ha. Die Spitzkegelhalden, als Landmarken ein Wahrzeichen der Region, sowie die breiten Tafelhalden werden (nach geochemischen Kriterien gesteuert) in den Tagebau Lichtenberg umgelagert, das Tagebaurestloch mit Haldenmaterial verfüllt (Abb. 1). Abb. 3 zeigt eine Momentaufnahme der Umgestaltung des Ronneburger Reviers (Luftbild 1999). Nördlich der BAB 4 erfolgt die Umlagerung der Halden Drosen und Korbußen an den neu gestalteten Haldenkörper Beerwalde. Im südlichen Revier ist das etwa zur Hälfte verfüllte Tagebaurestloch sowie die umliegenden Tafel- und Spitzkegelhalden zu erkennen. Als beispielhafte Sanierung einer vom Bergbau betroffenen Fläche ist die Aufstandsfläche der Gessenhalde dargestellt. Die Ortsdosisleistung (ODL) als Maß für die externe Strahlenexposition dieser Fläche liegt nach der Sanierung durch die Umlagerung von belasteten Aufstandsflächensubstrat  in den Tagebau Lichtenberg durchgängig unter dem für eine Nachnutzung als Parkanlage empfohlenen Wert von 300 nS/h.

Die neu entstehende Landschaft wird einen markanten Hochpunkt in dem Ronneburger Lösshügelland bilden. Die regionalen hydrologischen Verhältnisse werden durch die Vergrößerung der Einzugsgebiete der regionalen Vorfluter um die sanierten Betriebs-, Halden- und Tagebauflächen beeinflusst. Anlagen der Wasseraufbereitung und des Hochwasserschutzes sowie ein flächendeckendes Umweltmonitoring werden auch über lange Zeiträume nach Abschluss der eigentlichen Sanierungsarbeiten betrieben werden müssen.


Abb. 1    Verfüllung des Tagebau Lichtenbergs mit Haldenmaterial, in Nationalatlas Bd. 3 S. 52

Abb. 2    Uranabbau und Aufbereitungsbetriebe 1946-1990 Thüringen und Sachsen (Kartenentwurf, red. Fassung in Nationalatlas Bd. 3 S. 52)

Uranabbau und Aufbereitungsbetriebe Thüringen und Sachsen


Abb. 3    Übertagesituation des Ronneburger Reviers 1999: Luftbild Tagebau Lichtenberg mit angrenzenden Halden, Grenzen der untertägigen Auffahrungen, Sanierung der Aufstandsfläche Gessenhalde (Ortsdosisleistung vor und nach der Sanierung), in Nationalatlas Bd. 3 S. 53




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