Einleitung
Im sächsischen Erzgebirge, einer Region mit lang
zurückreichender Bergbautradition, begann 1946 der Abbau von
Uranerzen durch die WISMUT. Uranerz, früher als
„Pechblende“ bezeichnet, wurde zum strategisch
wichtigen
Rohstoff für die militärische Nutzung sowie
für die
Kernenergiegewinnung. Das anfangs sowjetische, ab 1954
sowjetisch-deutsche Unternehmen entwickelte sich in über 40
Jahren
zum weltweit drittgrößten Uranproduzenten (nach den
USA und
Kanada) mit einer Gesamtproduktion von 220.000 Tonnen Uran bis 1990.
Große Lagerstätten wurden im mittleren Erzgebirge,
bei
Ronneburg in Ostthüringen sowie Königstein in
Sachsen
abgebaut (Abb. 2). Daneben existierte eine Vielzahl von Gewinnungs- und
Aufbereitungsbetrieben mit kleineren Uranvorkommen im Erzgebirge,
Vogtland und weiteren Gebieten. Die Uranförderung wurde 1990
nach
der politischen Wende in der DDR aus wirtschaftlichen Gründen
beendet und das Unternehmen in deutschen Bundesbesitz
überführt.
Seit 1991 werden die Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaues saniert.
Schwerpunkte der Sanierung sind dabei
die Flutung der untertägigen
Grubengebäude in Aue, Königstein und Ronneburg;
die Sanierung der Haldenlandschaften in Aue,
Königstein und Ronneburg
sowie die Rückverfüllung eines Tagebaurestloches bei
Ronneburg und
die Sanierung der Industriellen Absetzanlagen mit
Schlämmen der Uranaufbereitung bei Seelingstädt und
Crossen.
Das Ronneburger Revier
Das Ronneburger Revier mit
ehemals 6
Bergbaubetrieben und einer direkt vom Bergbau betroffenen
Gesamtfläche von 1600 ha ist einer der Sanierungsschwerpunkte
der
WISMUT. Ein 160 ha großes Tagebaurestloch,
Haldenflächen von
460 ha und ein Bergematerialvolumen von 200 Mio. m3
sowie Betriebsflächen von ca. 1000 ha zeigen den Umfang der
vom
Bergbau berührten Landschaft. Untertage erstreckten sich die
Grubenbaue auf einer Länge von ca. 3000 km, in einem
ca. 70
km2 großen
Gebiet ist durch die
bergmännische Wasserhaltung der natürliche
Grundwasserspiegel
künstlich abgesenkt. Die Halden und auch der Tagebau
Lichtenberg
liegen in unmittelbarer Nähe zur Stadt Ronneburg sowie zu
umliegenden Dörfern wie Rußdorf und Reust. Bei
Errichtung
der Bergbaubetriebe wurden Ortschaften wie Schmirchau, Lichtenberg und
Gessen umgesiedelt und die Ortsnamen für die
Produktionsbetriebe
übernommen.
Der Uranerzbergbau war verbunden mit einer Erhöhung der
Strahlenbelastung der Beschäftigten und
ortsansässigen
Bevölkerung sowie weit reichenden Eingriffen in die
Ökosysteme des Bergbaureviers. Die Aufhaldung von Bergemassen
mit
einem mittleren Urangehalt von 40 ppm und einem mittleren 226 Ra-Gehalt
von 0,5 Bq/g und der damit verbundenen Emission von Radionukliden der
Uran-Zerfallsreihe führt zu erhöhten Werten der
Gamma-Strahlung sowie verstärkter Konzentration
von Radon und
Radonfolgeprodukten in der bodennahen Atmosphäre. Die
Verwehung
von Staub der offen liegenden Halden sowie der Austrag von
Haldensickerwasser führt zur Verlagerung von Radionukliden in
die
direkte Umgebung der Bergbaustandorte. Die durch Pyritoxidation
hervorgerufene Bildung von stark sauren Sickerwässern (Acid
Mine
Drainage) und der damit verbundenen Lösung des
Schadstoffinventars
(Radionuklide, Schwermetalle, Salze) im Bergematerial ist eine typische
Belastung der durch Bergbau beeinflussten Ökosysteme.
Die Umweltmedien Wasser, Boden und Luft wurden nach Abschluss des
aktiven Bergbaues systematisch in Umweltkatastern erfasst und bewertet.
Auf dieser Grundlage wurden die Sanierungskonzepte zur Umgestaltung der
Region in eine Bergbaufolgelandschaft entwickelt.
Die Bergbaufolgelandschaft
Das sichtbare Kennzeichen der neu entstehenden, dem Bergbau folgenden
Landschaft ist die Schaffung einer neuen Geländemorphologie im
Bereich des Tagebaues Lichtenberg auf einer Fläche von 220 ha.
Die
Spitzkegelhalden, als Landmarken ein Wahrzeichen der Region, sowie die
breiten Tafelhalden werden (nach geochemischen Kriterien gesteuert) in
den Tagebau Lichtenberg umgelagert, das Tagebaurestloch mit
Haldenmaterial verfüllt (Abb. 1). Abb. 3 zeigt eine
Momentaufnahme
der Umgestaltung des Ronneburger Reviers (Luftbild 1999).
Nördlich
der BAB 4 erfolgt die Umlagerung der Halden Drosen und
Korbußen
an den neu gestalteten Haldenkörper Beerwalde. Im
südlichen
Revier ist das etwa zur Hälfte verfüllte
Tagebaurestloch
sowie die umliegenden Tafel- und Spitzkegelhalden zu erkennen. Als
beispielhafte Sanierung einer vom Bergbau betroffenen Fläche
ist
die Aufstandsfläche der Gessenhalde dargestellt. Die
Ortsdosisleistung (ODL) als Maß für die externe
Strahlenexposition dieser Fläche liegt nach der Sanierung
durch
die Umlagerung von belasteten
Aufstandsflächensubstrat in
den Tagebau Lichtenberg durchgängig unter dem für
eine
Nachnutzung als Parkanlage empfohlenen Wert von 300 nS/h.
Die neu entstehende Landschaft wird einen markanten Hochpunkt in dem
Ronneburger Lösshügelland bilden. Die regionalen
hydrologischen Verhältnisse werden durch die
Vergrößerung der Einzugsgebiete der regionalen
Vorfluter um
die sanierten Betriebs-, Halden- und Tagebauflächen
beeinflusst.
Anlagen der Wasseraufbereitung und des Hochwasserschutzes sowie ein
flächendeckendes Umweltmonitoring werden auch über
lange
Zeiträume nach Abschluss der eigentlichen Sanierungsarbeiten
betrieben werden müssen.
Abb. 1
Verfüllung des Tagebau Lichtenbergs mit
Haldenmaterial, in Nationalatlas Bd. 3 S. 52
Abb. 2
Uranabbau und Aufbereitungsbetriebe 1946-1990
Thüringen und Sachsen (Kartenentwurf, red. Fassung in
Nationalatlas Bd. 3 S. 52)
Abb. 3
Übertagesituation des Ronneburger Reviers 1999:
Luftbild
Tagebau Lichtenberg mit angrenzenden Halden, Grenzen der
untertägigen Auffahrungen, Sanierung der
Aufstandsfläche
Gessenhalde (Ortsdosisleistung vor und nach der Sanierung), in Nationalatlas Bd. 3 S. 53